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| Neuerwerbung Herbst 2004: Eine Symphonie von Wolfgang Amadeus Mozart oder von David Westermayer? Im Oktober 2004 konnte dank der Hilfe einer verständnisvollen Mäzenatin im Salzburger Dorotheum eine weitgehend vollständige Musikaliensammlung aus der zweiten Hälfte des 18. und dem Beginn des 19. Jahrhunderts erworben werden. Sie stammt aus dem Besitz der Familie Lidl, die in (Bad) Ischl seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar und dort vor kurzem ausgestorben ist. Der Bestand enthält überwiegend handschriftliche Stimmen zu Vokal-, Orchester- und Kammermusikwerken. Die Manuskripte – es handelt sich durchwegs um Kopistenabschriften – sind zum Teil lokaler Provenienz, zum Teil wurden sie aus Bayern, Salzburg, Italien, Böhmen und Wien bezogen. Darin sind Haydn, Mozart und Dittersdorf, Jomelli, Aumann und Stamitz sowie viele heute nur mehr Spezialisten bekannte Komponisten vertreten. Primär schien die Sammlung ein interessanter Beleg dafür zu sein, was – zum Teil in anspruchsvoller Besetzung – in einer kleinen Marktgemeinde, wie es Ischl damals war, zu dieser Zeit musiziert wurde. Bei der Aufarbeitung mußte festgestellt werden, daß eine in diesem Konvolut unter Mozarts Namen überlieferte Symphonie bislang in Mozarts Oeuvre unbekannt war. Es handelt sich um die vollständige Stimmenausgabe einer viersätzigen Symphonie in D-Dur in der Abschrift eines zeitgenössischen Kopisten mit dem Titel „Sinfonia del Signore Wolfgang Mozart“. Zwangsläufig war der Frage nachzugehen, ob es sich dabei um eine Fälschung, einen Irrtum oder um ein unbekanntes Werk handelt. Tatsächlich konnte ermittelt werden, daß sich in einer Musikaliensammlung in Zagreb (Hrvatski Glazbeni Zavod) eine aus Salzburg stammende Abschrift derselben Symphonie erhalten hat, die den Salzburger Domchorvikar David Westermayer (1733–1775) als Autor nennt. Das Wiener Manuskript ist um 1770 zu datieren, das Zagreber Manuskript ist etwas jünger. Handelt es sich tatsächlich um eine Symphonie von Mozart, so muß sie ein Jugendwerk des etwa Acht- bis Zehnjährigen sein. Handelt es sich um ein Werk von Westermayer, so wäre es dessen einzige erhaltene Symphonie, weil von ihm sonst nur geistliche Kompositionen überliefert sind. Da von Westermayer keine Vergleichswerke vorliegen und der Knabe Mozart noch keinen ausgeprägten Personalstil hatte, können stilkritische Untersuchungen nicht zielführend sein. Daher ist es jetzt die Hauptaufgabe, diese beiden Stimmenmanuskripte aus Wien und Zagreb genauer zu untersuchen sowie ihre Authentizität, Verläßlichkeit und Nähe bzw. Distanz zu Mozart mit Papieruntersuchungen und Identifizierungen der Schreiber zu bestimmen. Immerhin wies Leopold Mozart darauf hin, daß sein Sohn bis zu seinem zwölften Lebensjahr dreizehn Symphonien komponiert habe – bekannt sind uns aber nur zwölf. Das macht deutlich, wie wichtig und sorgfältig solche Untersuchungen zu führen sind, die derzeit in einem Teamwork zwischen Spezialisten aus Österreich, Kroatien, Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, den USA und Japan durchgeführt werden. Die Symphonie wird in einer Aufführung mit der Slowakischen Sinfonietta unter Tsugio Maeda am 3. Mai 2005 im Brahms-Saal des Musikvereins akustisch zur Diskussion gestellt.
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